Was ist ein Mantelprodukt?

Und was hat ein Mantelprodukt mit Bank, Versicherung und Steuer zu tun? Lassen Sie mich bitte etwas ausholen, bevor wir voller Begeisterung das Thema Mantelprodukt erörtern.

Niedrigzinsphase

Seit 2008 der große Finanz Crash war, befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase. Ständig wurden die Zinsen für Kredite gesenkt, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. Die EZB hat unter dem Italiener Mario Draghi eine Geldpolitik begonnen, die katastrophale Folgen hat. Eine Folge sind sinkende Zinsen für alle Spareinlagen.

Beispiel Bausparvertrag

Während ein Bausparvertrag in den 90er Jahren noch 4,5-6% brachte, bringt er heute effektiv -3,85%, wenn man die Inflation berücksichtigt – das Geld wird also weniger Wert. Auf dem Papier bringt er 0,15% bis 4,25%, wobei die Werbung von “2% Jubiläumszinsen” spricht – und daneben steht “in den ersten 6 Monaten”. Ein Sparbuch bringt unter 0,1% Zinsen. Sinnvoll sind daher auf Banken nur noch Aktienfonds, um Geld zu vermehren.

Steuer: KESt

Die KESt (Kapitalertragsteuer) ist eine Steuer, die auf Bankprodukte eingehoben wird. Diese beträgt ab 2016 generell 27,5% (weiterhin begünstigt bleiben nur Sparbuch und Bausparvertrag mit 25%. Doch darüber brauchen wir nicht sprechen – wer keine Zinsen bekommt, zahlt auch keine KESt).

Das bedeutet also, dass jährlich alle Gewinne aller Bankprodukte mit 27,5% KESt belegt werden. Nehmen wir an, Sie kaufen einen Fonds über Ihre Bank oder Online Depot. Sie legen 100.000€ an (da gibts noch Ausgabeaufschläge und eventuell andere Kosten, die lassen wir jetzt mal beiseite), und diese 100.000€ werden mit 10% Gewinn auf 110.000€ erhöht (in den Jahren 2009-2019 hätte man zB mit einem guten Aktienfonds jährlich(!) 10% Gewinn gemacht, siehe meinen Artikel “Finanz Crash”).

Am Ende des Jahres kommt aber die Steuer, und die Bank zieht automatisch 2.750€ an Steuern ab, sodass Sie nur noch 107.250€ haben. Im zweiten Jahr wieder 10% Gewinn, macht ein Plus von 10.725€, davon die KESt weg macht in Summe 115.025€ usw. Sie verlieren also nicht nicht die KESt, sondern auch den Zinseszins daraus.

Bei 10% Verzinsung ist der Zinseszinsverlust nach 6 Jahren größer als der KESt Verlust selbst, bei 5% nach 8 Jahren! Nach 20 Jahren wäre das ohne KESt etwa 265.000€, durch KESt nur204.000€, ein Verlust von 61.000€! Dieser Verlust wird total unterschätzt! Ich habe noch nie in einem Buch darüber gelesen, wie brutal das wirkt. Vermutlich, weil jeder glaubt, das kann man nicht ändern. Was, wenn doch? (Details zu Berechnungen im PDF am Ende dieses Blogs). Wers steuerrechtlich korrekt formuliert lesen möchte, kann auch beim Konsument.at nachlesen. Einen anderen tiefen Einblick gewährt der Gewinn.at und die WKO.at.

Kosten in Bankprodukten

Auch hier gibt es Produktkosten, die etwa in Form von Agio (Ausgabeaufschlag für jeden Fonds Kauf, häufig 5%), Kontoführungskosten, Verwaltungskosten, Abschlusskosten usw. aufgeteilt werden. Es gibt viele Unterschiede, auch in Online Depots, sodass ein pauschaler Vergleich kaum möglich ist. Beachten Sie, dass es auch Kosten abhängig von der Einlagehöhe geben kann, sodass Sie mehr zahlen, wenn Sie mehr veranlagt haben. Das ist speziell für unsere Großsparer wichtig.

Lebensversicherung

Das Thema Lebensversicherung wird sehr emotional besprochen. Leider haben viele Konzerne hier wirklich schlechte Produkte, gepaart mit Finanzberatern die schlechte Beratungen machten, und dann auch noch die Finanzkrise von 2008, die den gesamten Markt umgedreht hat… keine gute Vertrauensbasis!

Steuer: Versicherungssteuer

Aber lassen wir mal die Emotion raus: eine Lebensversicherung hat keine KESt! Stattdessen gibt es hier 4% Versicherungssteuer, die im Gegensatz zur KESt eine Anfangsbesteuerung ist. Das bedeutet, man zahlt nicht auf die Gewinne, sondern auf die einbezahlten Beträge. Und ist damit fertig besteuert: keine Gewinnzuwachssteuer, keine Entnahmesteuer.

Nehmen wir wieder das Beispiel von vorhin: 100.000€ zahlen wir ein, der Staat kassiert sofort 4%, macht 4.000€. Und damit sind Sie fertig besteuert: Keine weiteren Steuern auf Gewinne. Das bedeutet bei 10% Gewinn, dass wir im 2. Jahr schon besser sind als auf der Bank (bei nur 3% Gewinn wären es 5 Jahre, bis die Versicherung im Steuervorteil ist). Und alle weiteren Jahre wird der Unterschied zugunsten der Versicherung immer besser – auf der Bank zahlt man jährlich Gewinnsteuer, in der Versicherung nur einmalig die 4.000€ auf die Einzahlung. Dies bedeutet, man hätte in der Versicherung nach 20 Jahren 646.000€, auf der Bank nur 405.000€ – ein Unterschied von 241.000€, fast eine Viertel Million Euro!

Natürlich haben wir hier ohne jegliche Produktkosten gerechnet. Aber es geht hier um den steuerlichen Unterschied. Der ist brutal! Siehe auch das PDF am Ende dieses Blogs.

Mantelprodukt

Und genau deshalb ist ein Mantelprodukt wichtig: das bedeutet, man nehme eine gute Lebensversicherung mit niedrigen Produktkosten (die ist schwer zu finden, aber es gibt sie!), kaufe über diese einen guten Fonds (auch diese gibt es), und Aufgrund des Steuervorteils ist man bereits nach kurzer Zeit im klaren Vorteil. Die Versicherung ist also nur ein Mantelprodukt für Fonds, um den Steuervorteil zu nutzen (und nebenbei bringt es auch Absicherungen, die sehr interessant sein können), und kann auch noch andere Produkte neben Fonds enthalten, etwa den klassischen Deckungsstock zur Absicherung.

Diesen Vorteil haben insbesondere wohlhabende Menschen schnell verstanden, weshalb unsere Kunden vorwiegend im Bereich ab 400€ monatlich und/oder 100.000€ Sofortinvest liegen. Denn je mehr Geld veranlagt wird, desto brutaler ist natürlich die KESt! Dieser Steuervorteil ist aber für JEDEN verfügbar, weshalb ich es besonders schade finde, dass vor allem Kleinsparer ihr Geld mit Bausparverträgen vernichten. Gerade hier wäre es wichtig, die Steuervorteile eines Mantelproduktes zu nutzen! Bereits ab 150€ monatlich kann man sinnvoll etwas aus seinem Geld machen.

Aber die Kosten einer Lebensversicherung sind doch hoch?

Bei Lebensversicherungen gibt es vorwiegend zwei Kostenarten: Verwaltungskosten, die über die gesamte Laufzeit jährlich anfallen. Und Abschlusskosten, die meist über die ersten 5 Jahre verteilt eingerechnet werden. Die Verwaltungskosten sind grob gesagt abhängig davon, wieviel man einzahlt. Manchmal werden auch Kosten von Anteilen dessen, was schon im Produkt ist, verrechnet, ganz wenige haben einen Kostendeckel. Meist betragen die Verwaltungskosten etwa 1 Monatsprämie pro Jahr. Es gibt aber auch günstigere Produkte.

Die Abschlusskosten werden meist in Prozent der Prämiensumme errechnet. Werden also 6,5% der Prämiensumme verrechnet, so sind das bei 30 Jahren: 30*12*Monatsprämie/1,04 (weil die Versicherungssteuer herausgerechnet wird)*6,5%. Und diese Kosten werden auf die ersten 60 Monate verteilt von jeder Prämie abgezogen (vereinfacht ausgedrückt: 1,3% pro Jahr).

Deshalb sind Lebensversicherungen in den ersten Jahren schwierig zu argumentieren. Vor allem, weil viele einfach keine Performance in der Verzinsung bringen. Es gibt aber Produkte mit Performance und niedrigen internen Kosten, und dann wirkt sich der Steuervorteil weit mehr aus als gedacht. Hier muss eine Detailrechnung für Ihren persönlichen Fall gemacht werden.

Generelle Faustregel: eine Zuzahlung am Beginn hebt die Verzinsung und bringt rasch die Steuervorteile hervor, und je höher die Monatsraten und je niedriger die Produktkosten desto besser. Zuzahlungen sind übrigens meist günstiger, etwa mit 5,5% Abschlusskosten. Verteilt auf 5 Jahre bedeutet das 1,1% pro Jahr. Bei 100.000€ sind das also 1.058€ pro Jahr.

Sicherheit

Ein ganz wesentlicher Punkt, gerade in der jetzt (Jänner 2020) bestehenden Situation, ist die Sicherheit des Geldes. Diese ist aufgrund verschiedener Gesetze in der Lebensversicherung weit höher als auf der Bank. Siehe dazu meine extra Blogs zur Einlagensicherung und Finanz Crash. Daher eignet sich eine Lebensversicherung weit mehr zur Absicherung als ein Bankkonto. Achten Sie dabei aber auf Flexibilität! Hier gibts enorme Unterschiede.

Und was jetzt?

Ein Mantelprodukt bringt Steuervorteile und Fondsgewinne in Einklang. Die richtige Strategie ist das Entscheidende, wenns ums Geld geht. Daher meine Bitte: nicht aus dem Internet beraten lassen. Tipps holen und vorinformieren ja, aber ein kompetenter Berater weiß mehr. Fragen Sie nach einem Mantelprodukt. Wenn es Sie interessiert, hinterlassen Sie unten einen Kommentar, oder noch besser: kontaktieren Sie mich, machen wir einen Termin, um eine Lösung für Sie zu finden! Wir haben einen großen Überblick über verschiedene Produkte, und beschäftigen uns mit dem Thema intensiv.

Falls Sie ein Zahlenmensch sind, hier das PDF mit der tabellarischen Übersicht zu meiner Beschreibung: Steuerlicher Vergleich – Bank vs Lebensversicherung

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